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Where the Rich Live

Mapping Villa Neighborhoods and Cultures of Wealth in Germany's Long Twentieth Century (RichMap)

Forschungsschwerpunkt: Zeitgeschichte und Archiv

Projektleitung im IRS: Prof. Dr. Kerstin BrückwehPD Dr. Eva Maria Gajek

Projektteam: Lilli Rast

Verbundpartner: Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung (Koordination) | Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam | Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung | Deutsches Historisches Institut London | Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) | Technische Universität Berlin

Förderorganisation: Leibniz-Gemeinschaft

Laufzeit: 05/2025 - 04/2028

„Sag mir, wo du wohnst, und ich sage dir, wer du bist.“ Diese Redewendung bringt die enge Verbindung zwischen Wohnort und sozialem Status auf den Punkt. Während armutsgeprägte Viertel intensiv erforscht wurden, ist über die Entwicklungen und Transformation von Villenviertel weitaus weniger viel bekannt. Villenviertel, häufig als „gute Adressen“ bezeichnet, verkörpern Exklusivität und soziales Prestige. Doch wie entstehen solche privilegierten Räume? Wie gelingt es ihnen, diesen Status über Jahrzehnte hinweg zu bewahren? Warum verlieren manche Villenviertel ihre Bedeutung, und wie gelingt es einigen, ihren Ruf nach politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen – insbesondere in Ostdeutschland nach 1989 – wiederzuerlangen?

Das Forschungsprojekt „RichMap – Where the Rich Live“, gefördert im Rahmen des Leibniz-Wettbewerbs in der Förderlinie Kooperative Exzellenz und geleitet von Prof. Dr. Kerstin Brückweh und PD Dr. Eva Maria Gajek am IRS, widmet sich diesen Fragen in acht Teilprojekten. Es untersucht die Entstehung, Entwicklung und Wandlung von Villenvierteln in Deutschland im langen 20. Jahrhundert. Dabei liegt der Fokus nicht nur auf der räumlichen Verteilung von Wohlstand, sondern auch auf den kulturellen und sozialen Dynamiken, die dazu beitragen, dass bestimmte Stadtteile als exklusive Wohnadressen etabliert bleiben, ihren Status verlieren und wiedererlangen und wie Gesellschaften diese Orte nutzen, um sich über ihre soziale Ordnung zu verständigen. Ein zentraler Forschungsansatz von RichMap ist deswegen die Analyse der Wechselwirkungen zwischen gesellschaftlicher Wahrnehmung und ökonomischen Entwicklungen. Das Projekt geht von der Annahme aus, dass Villenviertel nicht nur materielle Räume sind, sondern auch symbolische Orte, deren gesellschaftliche Bedeutung durch öffentliche Diskurse und Narrative geprägt werden. Diese Wahrnehmungen beeinflussen jedoch nicht nur die Identität eines Viertels, sondern auch ganz konkret die Marktpreise und die ökonomische Wertschätzung der Immobilien, wodurch soziale Ungleichheit verfestigt wird.

Eine methodische Innovation des Projekts ist das sogenannte „thick mapping“. Eine digitale Karte kombiniert quantitative und qualitative Daten, historische Dokumente und persönliche Erzählungen, die aus den einzelnen Teilprojekten einfließen und damit einen wichtigen gemeinsamen Kern des Gesamtprojekts bilden. Darüber hinaus setzt das Projekt auf Citizen Science, um lokale Perspektiven zu integrieren. Die Erfahrungen und Wahrnehmungen von Anwohner:innen und Stadtbewohner:innen werden in die Analyse eingebunden, um ein differenziertes Bild der sozialen Konstruktion von Villenvierteln zu zeichnen. Das Projekt wird in enger Zusammenarbeit mit dem Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF) unter Leitung von Frank Bösch sowie dem Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung (MPIfG), dem Deutschen Historischen Institut London (DHI), der TU Berlin und der Europa-Universität Viadrina durchgeführt. Es ist eingebettet in ein internationales Netzwerk von Wissenschaftler:innen aus Geschichte, Soziologie, Geografie, Informationstechnologie, Kartografie, Architektur, Denkmalpflege, Politikwissenschaften und Ethnografie.


Die Teilprojekte von RichMap

Die Vermessung der guten Adresse: Wissensordnungen und Bewertungstechniken seit 1871 [mehr]

Karten als Raumwissen. Wandel und Repräsentation von Villenvierteln in Deutschland nach 1945 [mehr]

Wo beginnt die gute Adresse? Stadtgesellschaftliche Perspektiven auf ihre Geschichte [mehr]

Ostdeutsche Villenviertel [mehr]

Vom Verzeichnis zur Karte: Rudolf Martins Millionärsliste als Zugang zur Raumgeschichte des Vermögens 1911–1914 [mehr]

Wohnen an der besten Adresse: Wohngeschichten aus dem Villenviertel [mehr]

Gute Adressen im Konfliktfeld. Entscheidungen zwischen Denkmalschutz, Eigentum und Stadtpolitik [mehr]

Neue und alte gute Adressen: Räumliche Transformation in Westdeutschland [mehr]