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Teilprojekt Planung im Projekt 'Kartieren und Transformieren'

Interdisziplinäre Zugriffe auf Stadtkarten als visuelles Medium urbaner Transformation in Mittel- und Osteuropa, 1939-1949

Projektleitung im IRS: Prof. Dr. Christoph Bernhardt, Dr. Piotr Szczepan Kisiel
Verbundpartner: Otto-Friedrich Universität Bamberg (Koordination), Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung, Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung (HI), GESIS Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften
Förderorganisation: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
Laufzeit: 11/2020 - 10/2024

Altes Rathaus in Stettin (1948) Biblioteka Narodowa Sg. 65598466 (Janusz Bułhak, Public Domain)

Das Projekt untersucht die Transformation der Städte nach dem Zweiten Weltkrieg. Das Projekt hinterfragt, welche Rolle Kriegsschäden bei den Wiederaufbauplänen gespielt haben und ob sie ausschlaggebend für die Umgestaltung der Städte waren. Durch die Berücksichtigung von Stadterneuerungsvorschlägen, die vor dem Krieg gemacht wurden, kontextualisiert diese Untersuchung die Veränderungen, die nach 1945 vorgenommen wurden.

Der Zeitraum bis in die 1960er Jahre ermöglicht nicht nur ein besseres Verständnis der Dynamik der Einführung des stalinistischen Urbanismus in den beiden Satellitenstaaten, sondern auch seines Niedergangs und des Aufkommens der sozialistischen Moderne. Gleichzeitig markierten die späten 1950er Jahre das offizielle Ende der Nachkriegszeit in Polen: 1955 verfügte die polnische Regierung die Beseitigung der letzten Kriegsreste in den Städten. Die DDR hatte keinen solchen Fixtermin, aber auch hier neigte sich die Trümmerbeseitigung Ende dieses Jahrzehnts dem Ende zu. Die Fertigstellung der neuen Städte lag noch in der Zukunft. Ende der 1950er-Jahre gab es jedoch den ersten Plattenbau in deutschen und polnischen Städten. Obwohl die Wiederaufbauarbeiten seit 1945 noch nicht abgeschlossen waren, beleuchten die Debatten zum Thema und die zahlreichen Projekte den veränderten Umgang mit der Transformation der Städte. Schließlich ermöglicht der zeitliche Rahmen, die sich ändernden Einstellungen zu „reaktionärer“ und „bürgerlicher“ Architektur in sozialistischen Stadtlandschaften und „deutschen“ Baudenkmälern in von Polen nach dem Krieg erworbenen Städten besser zu verstehen.

Teillageplan – Vorentwurf zum Wiederaufbau der Innenstadt von Cottbus: Berliner Platz bis Oberkirche (CC BY-NC-SA Stadtmuseum Cottbus, Public Domain)

Neubrandenburg, Sanierung von Altbauten im Stadtzentrum Bundesarchiv, DH 2 Bild-A-02215 CC-BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Die in diesem Projekt untersuchten Städte sind: Chemnitz/Karl-Marx-Stadt, Cottbus, Neubrandenburg, Zerbst in Deutschland und Gorzów Wlk./Landsberg Warthe, Lubań/Lauban, Racibórz/Ratibor, Szczecin/Stettin in Polen. Bis 1945 lagen sie alle innerhalb der deutschen Grenzen und boten somit eine gemeinsame Vergleichsbasis. Ihre unterschiedliche Größe, das Ausmaß der Kriegsschäden sowie die soziale und wirtschaftliche Basis ermöglichen ein besseres Verständnis der verschiedenen Faktoren, die den Wiederaufbau beeinflusst haben. Die Tatsache, dass sich jede in einer anderen Region befand, gibt Einblicke in regionale Unterschiede im kommunistischen Deutschland und Polen.

Damit leistet Planung einen kulturhistorischen Beitrag insbesondere zu einem differenzierteren Verständnis des oft als Zäsur beschriebenen Kriegsendes 1945, das von vielen Kontinuitäten – gerade innerhalb der Stadtplanung – geprägt war. Der vergleichende Blick über die Grenzen der Staaten und politischen Regimen hinweg sensibilisiert über Ähnlichkeiten und Unterschiede in der Stadtentwicklung hinaus und trägt somit zur verflochtenen europäischen Geschichte des Wiederaufbaus und des damit verbundenen Wissenstransfers bei.