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Architektur- und Planungskollektive der DDR

Institutionelle Strukturen und kreative Prozesse in der sozialistischen Architekturproduktion

Projektleitung im IRS:  Dr. Harald Engler

Verbundpartner: Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung (Koordination), Otto-Friedrich-Universität Bamberg, Kompetenzzentrum

Denkmalwissenschaften und Denkmaltechnologien (KDWT)

Förderorganisation: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Laufzeit: 04/2019 - 03/2022

Das Architektenkollektiv unter der Leitung von Wilfried Stallknecht (2. v. r.), das 1967 Pläne für das „sozialistische Musterdorf“ Ferdinandshof (Bezirk Neubrandenburg, bei Ueckermünde) entwickelte (Foto: Wissenschaftliche Sammlungen)

Die weitgehende Abschaffung privater Architekturbüros und die Übertragung der Arbeit auf Architektur- und Planungskollektive seit Anfang der 1950er Jahre in der DDR hatten weitreichende Folgen sowohl für das bis dahin tradierte Berufsbild des Architekten, als auch für das praktische Arbeiten in der Architektur. Dem Institutionensystem der DDR entsprechend waren die Planungskollektive in volkseigenen Betrieben organisiert. Es gab zwar einige sogenannte Stararchitekten wie Hermann Henselmann, Richard Paulick oder Josef Kaiser, doch auch die von ihnen projektierten Bauten wurden in den jeweiligen Kollektiven umgesetzt. Das zwischen 2019 und 2022 von der DFG geförderte Projekt untersuchte in Zusammenarbeit mit Kolleginnen des KDWT in Bamberg die Arbeitsweisen, Strukturen sowie kreativen Prozesse der kollektiven Arbeit im Planungswesen der DDR.

Stefanie Brünenberg und Harald Engler widmeten sich dem Teilprojekt der institutionellen Strukturen sowie der organisatorischen Arbeitsweisen der Kollektive. Neben intensiven Archivrecherchen zu diesem bis dahin kaum erforschten Thema, wurden zahlreiche Interviews mit Zeitzeug*innen geführt. Ein Ergebnis dieses Teilprojekts war eine dichte Beschreibung institutionellen Einbindung der Kollektive: Am für den Staatssozialismus grundlegenden allgemeinen Organisationsprinzip der Brigade orientiert, bildeten Kollektive auch im Architekturbereich in der DDR ein primäres institutionelles und verpflichtendes Organisationsprinzip. Allerdings wurden sie keineswegs gleichförmig nach denselben staatlichen Prinzipien fixiert, sondern unterschieden sich vielmehr in Bezug auf ihre Genese und Größe sowie ihre Arbeitsweisen und interpersonalen Arbeitsbeziehungen.

1990 betitelte die architekturtheoretische Zeitschrift Arch+ ein Themenheft zur Architektur in Ostdeutschland, diese sei „ohne Architekten“ entstanden (Titelbild Arch+, 1990)

Die Universitätsmensen der DDR wurden von nahezu konstanten Kollektivkonstellationen geplant. Ein Kollektiv um Ulf Zimmermann hatte entsprechende Typenprojekte entwickelt, die in der ganzen Republik gebaut wurden

Abgesehen von der institutionellen Einbindung behandelte eine Fragestellung des Projekts, inwiefern Kollektive untereinander vernetzt waren. Hierfür wurden die Beteiligten an den in der Architekturzeitschrift „Architektur der DDR“ vorgestellten Bauprojekten der 1970er Jahre erfasst und mittels einer Software zur Netzwerkanalyse zu Clustern zusammengestellt. Eine wichtige Erkenntnis daraus ist, dass die Kollektive häufig individuell für Projekte zusammengestellt wurden und ein Austausch höchsten bei Spezialaufgaben wie Mensen stattfand. Darüber hinaus wurde festgestellt, dass ein wichtiges Merkmal der Architekturkollektive ihre interdisziplinäre Zusammenstellung war: Dass auch in frühen Phasen des Planungsprozesses Fachkräfte für Statik, Freiraumplanung und Innenraumgestaltung an einem Tisch saßen, unterscheidet die Architekturkollektive der DDR deutlich von der Arbeitsweise westlicher Architekturbüros. [Absatz einfügen]Die Ergebnisse des Projekts wurden 2021 unter dem Titel „Das Kollektiv. Formen und Vorstellungen gemeinschaftlicher Architekturproduktion in der DDR“ publiziert [https://urbanophil.net/verlag/kollektiv/]. Zum Projektende hat darüber hinaus eine internationale Tagung stattgefunden. Der Tagungsband erschien im Bamberger Universitätsverlag.