Comichafte Zeichnung von Dieter Bankert
Vom 24.05. bis zum 7.9.2025 war in der Tchoban Foundation – Museum für Architekturzeichnung in Berlin in Kooperation mit dem IRS Erkner Pläne und Träume. Gezeichnet in der DDR zu sehen, „eine überraschend hinreißende und entsprechend gut besuchte Ausstellung“, so Peter Richter in der Süddeutschen Zeitung. Zu den besonders kreativen Architekten und Architekturzeichnern der DDR und Ostdeutschlands bis heute gehört Dieter Bankert (geb. 1938), der in dieser Ausstellung gleich mehrfach vertreten war. Sein Vorlass befindet sich zu großen Teilen in den Wissenschaftlichen Sammlungen des IRS.
Aus Platzgründen konnte in der Schau nur ein Bruchteil der sehr vielen sehenswerten Zeichnungen von Dieter Bankert gezeigt werden. Als Fundstück präsentieren wir hier eine nicht ausgestellte Zeichnung von ihm, die auch wieder einmal zeigt, wie breit sein stilistisches Können ist. Die Zeichnung mit Tusche oder Faserstift auf Pergamin im eher ungewöhnlichen Hochformat (Blattmaß 59,5 x 42 cm) zeigt eine comicartige Vogelperspektive auf das Areal der Charité in Berlin-Mitte mit Umgebung, die undatiert ist, aber Anfang der 1980er Jahre entstanden sein muss. In nördlicher Richtung reicht die dargestellte Stadtlandschaft bis zu den Wohnhochhäusern am Invalidenpark und zum Heizwerk Scharnhorststraße. Zu erkennen ist auch noch das nicht mehr existierende Stadion der Weltjugend an der Chausseestraße – auf diesem Gelände hat heute der Bundesnachrichtendienst seinen Sitz. Einzigen Hinweis auf den nahen Grenzbereich zwischen Ost- und Westberlin geben in der Zeichnung die angedeuteten Baracken im Invalidenpark, die seinerzeit Teil des Grenzüberganges Invalidenstraße waren.
Markanter Blickpunkt auf der Zeichnung ist aber im Vordergrund das Bettenhochhaus in der Luisenstraße (wie sie seit 1991 wieder heißt), damals das „Chirurgisch orientierte Zentrum der Charité“ in der Hermann-Matern-Straße. An der Planung des 1982 eingeweihten Gebäudekomplexes war Bankert maßgeblich beteiligt. Sprechblasenartig beschriftet sind auch das Gebäude für die „Speisenversorgung der Charité“ sowie die „Zentrale Baustelleneinrichtung“ am Robert-Koch-Platz. Letzteres verdeutlicht, dass die Zeichnung noch aus der Zeit der Errichtung des Hochhauses um 1980 stammt. Sie diente als Vorlage für eine Einladung zu einem Fest – wahrscheinlich das Richtfest des Bettenhochhauses – und bot schaubildhaft-spielerisch ein Lageplan des Areals.
Unter anderem in den Jahren 2009 (Dessau) und 2016 (IRS Erkner) wurden Dieter Bankerts vielfältigem Schaffen eigene Ausstellungen gewidmet. Zugleich entstand mit dem Katalog „Dieter Bankert. zeichnungen, malerei, architektur, ost+west, irgendwo“ zur Ausstellung in Dessau ein äußerst umfangreiches Bilderwerk, das einem Werkverzeichnis gleichkommt.[1] Für die Ausstellung in Erkner erschien der Katalog in einer ergänzten Auflage [2] und enthält zahllose, nicht selten visionäre Skizzen, Malereien und Zeichnungen zu vielen Projekten, an denen Dieter Bankert beteiligt war. Hierzu gehören unter anderem Prestigeprojekte im Berliner Stadtzentrum wie der Palast der Republik, der Friedrichstadtpalast oder die Charité aber auch großmaßstäbliche Beiträge zu Wettbewerben für die Prager Straße in Dresden oder die Großwohnsiedlung in Berlin-Marzahn. Die Zeichnung, der dieses „Fundstück“ gewidmet ist, taucht in beiden Katalogen nicht auf und wir können davon ausgehen, dass sie hier erstmalig der Öffentlichkeit präsentiert wird.
[1] Bankert, Dieter (2009): Dieter Bankert. zeichnungen, malerei, architektur, ost+west, irgendwo. Hasenverlag GmbH, Halle.
[2] Bankert, Dieter (2016/2020): Die Utopien des Dieter Bankert. Coq-Art, Halle.
